Vorbereitungsdienst – perspektivische Entwicklung

Für den Vorbereitungsdienst 2008 hatten sich 27 Personen beworben, leider standen nur 15 Plätze zur Verfügung. Einige derjenigen, die in unserer Landeskirche nicht aufgenommen werden konnten, fanden Plätze in der Evangelisch Kirche von Berlin – Brandenburg –schlesische Oberlausitz.

Damit wird andeutungsweise eine Entwicklung vorweggenommen, die von mehreren EKD-Kirchen und dem EKD-Kirchenamt angesteuert wird: die kooperative Personalplanung. Nach den Berechnungen von OKR Begrich vom EKD-Kirchenamt, die nachvollziehbar und schlüssig erscheinen, werden in den EKD-Kirchen in den nächsten Jahren jährlich ca. 350 neue Pfarrerinnen und Pfarrer benötigt. Gegenwärtig werden jedoch insgesamt nur ca. 250 Personen übernommen.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Pfarrerschaft in den Landeskirchen altersmäßig sehr unterschiedlich strukturiert ist. In einigen Landeskirchen treten unverhältnismäßig starke Jahrgänge in den Ruhestand. In anderen Landeskirchen wird diese Entwicklung erst in den nächsten Jahren erwartetet. Die unverhältnismäßig starken Ruhestandseintritte hinterlassen Lücken, die kurzfristig nicht zu schließen sind. Um der Ungleichzeitigkeit der Entwicklung gegenzusteuern (hier Überschuss an Absolventen, dort Mangel), werden sich die Landeskirchen künftig stärker als bisher für Bewerber aus anderen Landeskirchen öffnen (kooperative Personalpolitik).

Die sächsische Landeskirche hat sich wegen der ungünstigen Alterstruktur der Pfarrerschaft entschlossen, jetzt einige auf sechs Jahre befristete Pfarrstellen mit besonderen Aufgaben einzurichten. Dadurch können einerseits wichtige Aufgaben in Angriff genommen werden, z.B. Seelsorge in Kurkliniken, Prädikantenausbildung, Jugendarbeit (vgl. auch den Pastoralbrief des Landesbischofs). Andererseits werden dadurch Pfarrstellen frei, die durch Neueinsteiger besetzt werden können. Wenn die Befristung der Sonderpfarrstellen ausläuft, werden zusätzlich zu den dann aktuellen Absolventen des Vorbereitungs- bzw. Probedienstes weitere Pfarrerinnen und Pfarrer für den Gemeindedienst zur Verfügung stehen und so die Lücke der starken Ruhestandseintritte zu schließen helfen.

Geplant ist, künftig 15 (2011) bzw. 17 (2018) Personen nach Absolvierung von Vorbereitungs- und Probedienst in den Pfarrdienst zu übernehmen.

Grundsätzlich soll an dem „Dreigespann“ im Gemeindedienst (Pfarrer + anteiliger Gemeindepädagoge + anteiliger Kirchenmusiker) festgehalten werden. Nach bisherigen Prognosen werden weiterhin mindestens bis zum Jahr 2013 590 solcher Dreigespanne bezahlt werden können. Bis dahin muss also auch die Zahl der Pfarrstellen nicht reduziert werden. Auf lange Sicht (bis 2030) wird sich die Landeskirche aber – wenn sich nicht grundlegend etwas ändert (Erweckung oder Besoldungsstruktur) – nur noch 449 „Dreigespanne“ leisten können.

Hintergrund dieser Reduktion ist, dass wir davon ausgehen müssen, dass mit zurückgehender Bevölkerung sich auch die Anzahl der Gemeindeglieder verringern wird. Das ist zwar nicht zwangsläufig, war aber leider in der Vergangenheit trotz aller Evangelisations- und Missionsbemühungen bisher so. Bis 2020 wird die Bevölkerung Sachsens um rund 16% gegenüber dem Jahr 2.000 kleiner geworden sein. Wenn wir 16% weniger Gemeindeglieder haben, werden wir auch 16% weniger Mitarbeitende brauchen bzw. uns leisten können.

Leider kommt es aber noch schlimmer: Der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung – also derjenigen, die die kirchliche Arbeit mit Spenden und Steuern finanzieren können – wird sich im gleichen Zeitraum um 24% verringern. Folglich müsste die Mitarbeiterschaft stärker reduziert werden als die Bevölkerung schwindet. Dies soll nun wenigstens für den Verkündigungsdienst (die Dreigespanne) gebremst werden. Das setzt aber voraus, dass in anderen Bereichen stärker gekürzt wird. Dem dient vor allem die gegenwärtige Verwaltungsstrukturreform.

Fazit:

Obwohl in einigen Landeskirchen, wie z.B. der unseren, jetzt nicht alle Bewerber übernommen werden können, und obwohl nach 2013 oder später die Zahl der „Dreigespanne“ reduziert werden muss, brauchen wir langfristig deutschlandweit mehr AbsolventInnen des Theologiestudiums als wir jetzt haben und – nach dem Stand der landeskirchlichen Listen – erwarten können.

Quelle: Rundbrief aus dem Landeskrichenamt
Juli 2008